Man muss mit vielen Menschen sprechen, wenn man einen Geflüchteten in den eigenen Betrieb aufnehmen will. Diese Erfahrung haben viele GaLaBau-Betriebe und Agrarunternehmen im ganzen Land gemacht. Willkommenslotse Theo Wöstmann unterstützt die Arbeitgeber der grünen Berufe, wenn es darum geht, geflüchtete Menschen in Arbeit und Ausbildung zu bringen. Allein 2018 konnten etwa 60 neue Beschäftigungsverhältnisse mit Geflüchteten in den grünen Berufen in NRW realisiert werden.

Seit 2016 engagiert sich die DEULA Westfalen-Lippe in Warendorf, geflüchtete Menschen aus den verschiedensten Ländern für eine Arbeit in den grünen Berufen zu qualifizieren und in Beschäftigung zu vermitteln. Unterstützt wird das Bildungszentrum dabei unter anderem vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW und dessen Mitgliedern. Die Betriebe benötigen dringend Mitarbeiter und wollen den Migranten aus aller Herren Länder eine berufliche Chance bieten.

Am Anfang war das für die Unternehmen recht kompliziert. Nicht nur, weil das Asylrecht und die Sprachbarriere eine Herausforderung waren, sondern auch, weil es so viele Akteure gab: Die Arbeitsagenturen, die Jobcenter, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, die örtlichen Ausländerbehörden, die Integration Points und unglaublich viele Hilfs- und Freiwilligenorganisationen. Und mitten drin Menschen aus fremden Kulturkreisen, die Orientierung in unserer Lebens- und Arbeitsgesellschaft suchen.

Die Sprachbarriere ist inzwischen deutlich niedriger geworden. Viele Geflüchtete haben nicht nur profunde Deutschkenntnisse, sondern auch eine Aufenthaltserlaubnis, so dass es keine gesetzlichen Auflagen für deren Beschäftigung mehr gibt. Durch das aktualisierte Zuwanderungsgesetz haben jene, die derzeit noch den Status der Duldung haben, deren Abschiebung also ausgesetzt ist, einen leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt. Dennoch gibt es bei den Unternehmen noch zahlreiche Hemmnisse, wenn es um aufenthaltsrechtliche, arbeitsrechtliche und sozialrechtliche Fragen geht.

Genau das ist das Arbeitsfeld von Theo Wöstmann. Er arbeitet als Willkommenslotse von der DEULA in Warendorf aus, ist aber überall in NRW unterwegs und besucht die Arbeitgeber vor Ort. Er arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Seine Aufgabe ist es, zwischen den zahlreichen Akteuren im Umfeld der Geflüchteten und den Arbeitgebern zu vermitteln. Und das funktioniert! „Herr Wöstmann hat uns sehr geholfen, als einer unserer Mitarbeiter plötzlich Schwierigkeiten mit der Verlängerung seiner Beschäftigungserlaubnis bekam. Inzwischen ist er im zweiten Lehrjahr und absolut Teil unserer Mannschaft geworden. Und was die Sprachkompetenz angeht – er ist immer aufmerksam und spricht inzwischen ein gut verständliches Alltagsdeutsch!“ Max Frings von der Firma Frings Gartengestaltung ist von der Idee, Geflüchteten einen Job im GaLaBau zu geben, nach wie vor überzeugt. „Herr Wöstmann ist in dieser Sache ungeheuer engagiert und war auch schon mehrfach hier. Das ist eine gute Zusammenarbeit!“ Auch Gabi Theilmeier von Theilmeier Garten- und Landschaftsbau in Everswinkel hat ebenso gute Erfahrungen gemacht: „Wir haben von Anfang an daran geglaubt, dass es sinnvoll ist, Geflüchtete im GaLaBau zu beschäftigen und haben das auch getan. Dabei gibt es immer wieder Dinge, die zu klären sind!“ Zum Beispiel, ob es Fördermittel gibt, wenn ein Flüchtling einen Traktor-Führerschein benötigt, um im Rahmen seiner Arbeit Fahrzeuge und Maschinen bedienen zu dürfen. „Da gibt es im Einzelfall sogenannte Mobilitätshilfen, bei deren Beantragung ich gerne helfe“, so Theo Wöstmann. „So ein Führerschein wirkt sich natürlich auf die Qualifizierung für den Job sehr positiv aus. Überhaupt gibt es für die Arbeitgeber zahlreiche Fördermöglichkeiten über die Arbeitsagenturen und Jobcenter, die ich als Willkommenslotse dann auch zugänglich machen kann.“ Manchmal benötigen die Geflüchteten auch Unterstützung bei der Verlegung ihres Wohnsitzes, entweder, weil sie endlich aus der Gemeinschaftsunterkunft hinaus wollen oder weil sie näher an ihren Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz heranrücken möchten. Das kann gerade im ländlichen Raum von entscheidender Bedeutung sein.

Auch wenn es um eine regelrechte Berufsausbildung geht, gibt es Herausforderungen, die sich aber inzwischen vielfach aufgrund der sogenannten „Anspruchsduldung“ oder der „3+2-Regelung“ im Interesse aller Beteiligten lösen lassen. „Wir lernen ja auch immer weiter“, erläutert Gabi Theilmeier. „So ist es im Einzelfall auch möglich, dass unsere Azubis ihr erstes Ausbildungsjahr wiederholen dürfen, um ihre Berufssprache weiter ausbauen zu können. Einigen hilft das enorm, wenn es darum geht, den Unterschied in der Ausbildungsreife zwischen deutschen und ausländischen Auszubildenden auszugleichen.

Unser Willkommenslotse Theo Wöstmann versteht sich selbst als Mittler zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Arbeitgeber und den humanitären Interessen der Geflüchteten. Sie kommen zu fast 70 Prozent in GaLaBau-Betrieben unter, der Rest der Arbeitgeber rekrutiert sich aus der Landwirtschaft. Die Arbeitgeber schätzen seine pragmatische Herangehensweise, für die Wöstmann selbst eine einfache Erklärung hat: „Wo ein Wille ist, ist immer ein Weg. Und durch meine Erfahrung auf diesem Gebiet finde ich meistens Lösungswege. Die Arbeitgeber, mit denen ich zu tun habe, sind genauso praktisch und lösungsorientiert und sehen ja auch die Vorteile, die die Beschäftigung dieser meist hochmotivierten Menschen mit sich bringt. Und wenn wir dann gemeinsam jemandem eine neue Perspektive geben können, haben wir einen guten Job gemacht!“