DEULA Experten-Tipp für den Lohnunternehmer - Richtiger Reifendruck – Spart Energie und schont den Boden

Reifendruckregelanlagen eröffnen ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Die richtige Bereifung und ein dem Anwendungsfall angepasster Reifendruck sind wirkungsvolle Energiesparmaßnahmen. Auf dem Acker ist die Verwendung hoher und möglichst breiter Reifen mit hohen und schmalen Stollen empfehlenswert, die im Zusammenhang mit einem niedrigen Reifendruck eine möglichst hohe Kontaktfläche zum Boden gewährleisten. Hierbei sind jedoch die Angaben der jeweiligen Reifenhersteller bezüglich der zu fahrenden Drücke und den sich damit verändernden Traglasten und Fahrgeschwindigkeiten zu beachten.

Analog kann durch die Verwendung von Doppel- oder Zwillingsreifen die Kontaktfläche zum Boden deutlich vergrößert werden. Insbesondere sollte die Profilhöhe der Stollen bei schweren Zugarbeiten einen Wert von 2 cm nicht unterschreiten, da der Schlupf ansteigt und der Reifen hierdurch nur ca. 80 % seiner maximalen Traktion übertragen kann (VdLWK, 2009). Das Gewicht des Schleppers sollte an die Bereifung und den Reifeninnendruck sowie die Arbeitsaufgabe angepasst sein. Ziel der gesamten Maßnahmen ist die Einstellung eines möglichst geringen Schlupfs (etwa 10 %) und damit verbunden einer möglichst geringen Beeinflussung und Verdichtung des Bodengefüges.

Bodenverdichtung und Dieselverbrauch

Bei der Bodenbearbeitung bewegt sich der Schlepper mit mehr oder weniger großer Einsinktiefe im Feld. Die Spurtiefe ist ein wichtiges Merkmal für Bodenveränderungen in der Tiefe, welches nachhaltig das Wurzelwachstum beeinflusst und damit direkt auf den Ertrag wirkt. Schlupf hingegen bezeichnet Bodenverschiebungen nach hinten, welche aber ebenfalls Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum haben z. B. aufgrund verschlechterter Wasserführung. Neben ackerbaulichen Nachteilen gibt es aber auch durchaus nennenswerte betriebswirtschaftliche Nachteile. Durch die Spurbildung fährt der Schlepper fortwährend gegen einen Erdwall. Dieses kraftzehrende und permanente Bergauffahren im Ackerboden wird "Bulldozing-Effekt" genannt (Volk, 20l4a). Bei Verringerung der Kontaktfläche vom Reifen zum Boden, wie bei erhöhten Reifendrücken oder kleinerer Standardbereifung bzw. durch das Vergrößern der Radlasten, vergrößern sich Bodendruck und Spurtiefe. Hierdurch gewinnt die Bodenverdichtung an Tiefenwirkung. Als Faustzahl gilt hier: Eine 1 cm tiefere Spur ist mit einem  Dieselmehrverbrauch von 10 % verbunden (Volk, 20l4a). Aus diesen Gründen ist die Bodenkontaktfläche durch großvolumige oder Doppelreifen sowie niedrige Reifeninnendrücke möglichst zu vergrößern.

Für eine Druckanpassung eignen sich sowohl mobile als auch fest installierte Reifendruckregelsysteme. Beim Einstellen des Reifeninnendrucks sollte darauf geachtet werden, dass der Druckunterschied zwischen Vorder- und Hinterreifen nicht größer als 0,4 bar ist (Bröse, 2012). Ebenfalls ist daran zu denken, dass ein reduzierter Reifendruck bei Straßenfahrten eine Erhöhung des Rollwiderstandes zur Folge hat und somit negative Auswirkungen auf den Dieselkraftstoffverbrauch mit sich bringt. Des Weiteren ist ein erhöhter Reifenverschleiß von bis zu 30 % (Michelin, 2016) festzustellen. In der Praxis wird haufig ein Kompromiss zwischen beiden Anwendungsfällen (1,8 bar) Acker- und Straßenbetrieb genutzt, sodass sich bei Straßentransporten mit höheren Reifeninnendrücken sogar geringfügige Dieseleinsparungen (bis 2 %) und eine kürzere Fahrzeit (bis 3 %) erzielen lassen (Fendt, 2017).

Zwei Systeme

Unabhängig von verschiedenen Herstellern haben sich am Markt zwei Systeme für die Regulierung des Reifeninnendrucks durchgesetzt. Für Betriebe mit hohen Feldstandzeiten haben sich mobile Reifenfüll- und Schnellentlüftungssets mit Schnellkuppler auf dem Reifenventil durchgesetzt. Die Kosten hierfür liegen bei ca. 200 €. Hinzu kommt, dass kein weiterer Umbau am Schlepper notwendig wird. Einzige Voraussetzung hierbei ist eine Druckluftanlage seitens des Schleppers. Die zweite Variante ist die fest installierte Reifendruckregelanlage am Fahrzeug. Hier unterscheidet man zwischen Einleiter- und Zweileitersystemen. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass es bei der Zweileitervariante eine Versorgungs- und eine Steuerleitung gibt und nur beim Regeln Druck auf den Leitungen anliegt. Im Gegensatz dazu ist beim Einleitersystem (das gängigere) in den Zuleitungen ständig derselbe Druck wie auf den Reifen. Nachteilig bei beiden Systemen ist der mit ca. 6.000- 10.000 € hohe Preis. Hinzu kommt, dass beim Nachrüsten Druckleitungen außerhalb des Schleppers verlegt werden müssen. Diese wiederum sind bei der Reifenmontage oder widrigen Geländesituationen störend. Zusätzlich wird bei der festinstallierten Reifendruckregelanlage ein Zusatzkompressor verbaut, der gepflegt: und gewartet werden muss.

Die DEULA rät

Aufgrund des enormen Einsparpotenzials an Betriebsstoffen sowie den ackerbaulichen Vorteilen sollte heutzutage jeder Betriebsleiter über entsprechende Maßnahmen zur Reifendruckoptimierung nachdenken. Ein einfacher Einstieg in das Anpassen der Reifendrücke sind die mobilen Reifenfüllsets. Sie sind zum einen eine günstige Einstiegsvariante und erfüllen zum anderen alle Anforderungen für den professionellen Ackerbau. Aufgrund der hohen Kosten von Zusatzkompressoren können hier gut auf diese verzichtet werden, indem man die Druckluftanlage des Schleppers wie o. g. nutzt. Bei älteren Schleppern ohne Druckluftanlage, die in der Regel nicht für den Straßentransport genutzt werden, kann für das Umsetzen von einer zur nächsten Fläche die Fahrgeschwindigkeit auf Straßen um die Hälfte reduziert werden. Somit umgeht man weitestgehend den erhöhten Reifenverschleiß und spart sich die Zeit des aufwendigen Reifenfüllens, kann aber vollumfänglich die Leistung seines Reifens auf dem Acker ausschöpfen. Um den richtigen Druck seines Reifens zu ermitteln, empfiehlt es sich, die zahlreichen Apps der unterschiedlichen Reifenhersteller (meist kostenfrei) zu nutzen.